Das antike Griechenland
Die altgriechische Kultur strebte nach Perfektion -- und ihre Winzer ebenfalls. Wein wurde ein so wichtiges Element des griechischen Handels, dass Behälter mit griechischem Wein im ganzen Mittelmeerraum, in Ägypten und im Mittleren Osten gefunden wurden. Aus antiken griechischen Aufzeichnungen geht hervor, dass Wein von den meisten griechischen Ärzten auch zu medizinischen Zwecken verwendet wurde. »Nach Ansicht der Griechen war Wein für die Seele ebenso wichtig wie für den Körper.«
Die Griechen mögen zwar gelegentlich Wein als Aperitif serviert haben, doch wurde er meist zu den Mahlzeiten angeboten und oft mit Wasser verdünnt. Aus der Zugabe von stark riechenden Stoffen, wie geriebenem Ziegenkäse und weisser Gerste vor dem Trinken können wir entnehmen, dass Wein ein ausserordentlich wichtiger Bestandteil der griechischen Ernährung war. Die Beimischung von Kräutern und ähnlichen Duftstoffen lässt jedoch sicher auch darauf schliessen, dass der Wein vermutlich nicht von guter Qualität war und dass die Beimischung dieser Zusatzstoffe eigentlich der Versuch war, vermutlich durch verdorbenen Wein ent-standene Gerüche zu überdecken.
Es besteht wenig Zweifel, dass die Anziehungskraft des Weins ebenso auf der alkoholischen Wirkung wie auf seinem Beitrag zu einer gesunden Ernährung beruhte. Spätestens im siebten Jahrhundert v.Chr. widmete sich der in Griechenland entstandene Kult des Dionysos und später des Bacchus der Feier des Weines selbst und dem Bestreben, den Wein generell als »Stimmungsverstärker« bei Festlichkeiten einzusetzen.
Das Vorchristentum
Außer ihrer Rolle als lager- und transportfähige Energielieferanten gab es eine Reihe anderer Faktoren, die Trauben und Wein zu einem wichtigen Teil des antiken Lebens machten.
Wein lässt sich nicht so schnell verunreinigen wie Wasser, und das machte ihn zu einer vernünftigen Alternative in den Städten der damaligen Zeit, in denen die öffentliche Hygiene ein Problem darstellte, und in der mit dem Wasser übertragene Krankheiten weit verbreitet waren. Natürlich hatte die Bevorzugung des Weins gegenüber dem Wasser als Getränk auch viel mit seiner anregenden Wirkung zu tun. Da die erfreulichen Wirkungen beim Wein aufgrund seines höheren Alkoholgehalts rascher und stärker eintreten, wurde er oft auch dem Bier vorgezogen.
Wein war ein willkommenes Getränk, da es den Menschen der vorchristlichen Ära - einer Zeit, die weder für Reich noch für Arm angenehm war ermöglichte, ihre Probleme zu vergessen und sich von einer Welt voller harter Winter, Kriege und Sklaverei abzuwenden.
Ein weiterer Vorteil des Weins in dieser Zeit war die Tatsache, dass er einen Vitaminlieferanten darstellte. Da Weine und Biere kurz nach der Gärung getrunken wurden, solange sie noch trübe waren, wurden auch die darin schwebenden Hefezellen, mitgetrunken. Die Entfernung dieser Feststoffe wurde erst viel später allgemein üblich, als man Methoden entwickelt hatte, diese Aufgabe leichter und viel früher zu erledigen.







