Bereiche und Großlagen des Anbaugebietes "Mosel-Saar-Ruwer"
Das Weinbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer unterteilt sich in die fünf Bereiche Zell (Untermosel), Bernkastel (Mittelmosel), Saar-Ruwer, sowie Obermosel und Moseltor, welche sich wiederum in die folgenden Großlagen gliedern:
Weinhex
Die Lage von über 400 Hektar hat ihren Ursprung in Winningen. Über die Herkunft des Namens streiten sich die Experten. Weinhex soll jedoch nichts mit den Hexenver- brennungen auf dem Winninger Haideberg zu tun haben. Gern erzählt man sich die Geschichte von der Frau des Winninger "Pfeifenhannes", die einem guten Tropfen sehr zugetan war und stets heimlich vom Besten trank. Als er sie schließlich erwischte, prügelte er sie so arg, daß ihr Geschrei die Gassen erfüllte. Wenn von nun an auch mal ein paar Liter in den Fässern der Nachbarn fehlten, war es natürlich die Weinhex.
Goldbäumchen & Rosenhang
Zwischen Moselkern und Ediger-Eller, dehnen sich auf dem linken Ufer das Goldbäumchen und auf dem rechten der Rosenhang aus. Außer der Großlage gibt es noch 15 weitere Wortverbindungen mit "Rosen". Ursprünglich hat die Lagenbezeichnung jedoch nichts mit der Blumenart zu tun. Die keltische Wurzel "ross" oder "rost", in der Verkleinerungsform "rosen", bedeutet "kleiner Hügel". Goldbäumchen mag auf die mittelalterliche Mystik verweisen, die zwischen der Rebe und dem Gold der Sonne eine organische Einheit sah: Traubensaft war flüssiges Gold.
Grafschaft
Fachwerkschönheiten der Barockzeit schmücken die Winzerdörfer, die den größten Teil der Grafschaft einnehmen. Der Name erinnert an die einstige Grafschaft Sponheim. Zu den bekannten Einzellagen gehört das Ediger Osterlämmchen. Die mystische Verbindung von Blut und Wein ist urchristlich, denn sie taucht bereits in Moses Wortschöpfung "Traubenblut" auf (5. Mose, 32, 14).
Schwarze Katz
Der Mittelpunkt der Großlage ist Zell. Die Gemeinde gehört zu den seltenen Winzerorten, bei denen die Grenzen der Gemarkung mit denen der Großlage sich decken. Aachener Weinhändler sollen die Zeller auf die "Katz" gebracht haben. Nach einer Weinprobe kauften sie ein Fuder, auf dem während der Zecherei eine schwarze Hauskatze gesessen hatte. Diesen Wein brachten sie mit dem buckelnden Unglücksboten auf dem Etikett schnell mit Gewinn unter die Leute: Ein neuer Markenname war geboren.
Vom Heißen Stein
Wingertnamen wie Stein, Fels, Lay, Kupp, Kopf, Krone und Berg sowie Wortverbindungen mit ihnen deuten auf Steillagen hin. Weinbau in Terrassen am Steilhang gab es bereits zur Römerzeit an der Mosel, wie Ausonius Verse beweisen: "... wo auf den Felsen, auf sonnigen Höhen, an Hängen in Mulden / Reben sich schwingen, als habe Natur hier gebaut ein Theater."
Schwarzlay
Zu der Großlage gehören Weinorte mit so bekannten Einzellagen wie Ürziger Würzgarten (mit Gewürz- und Heilkräutern wurde bis ins 17. Jahr-hundert Wein veredelt) oder Erdener Treppchen (Treppchen weist auf eine waghalsige Steillage hin). Für die Erdener ist ihr Weindorf das älteste der Welt. Auf die Frage: "Warum?" antworten sie mit dem allerersten Moses-vers: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde(n)".
Nacktarsch
Der Name des bekannten Kröver Weines soll eine Verballhornung des Göttertranks Nektar sein. Andererseits geht er auf die alte Lagenbezeichnung Nackas zurück, in der Keltenforscher die 'Wortstämme "nack" (steinige Höhe) und "horst" oder "arst" (Hecke) entdeckten. Der Volksmund freilich erzählt deftigere Geschichten, eine von ihnen, wie dem kleinen Weindieb das entblößte Gesäß verdroschen wird, illustriert das Flaschenetikett.
Münzlay
Weine, die bei Versteigerungen Höchstpreise erzielen, stammen - nomen est omen - aus dieser Großlage. Einzellagen mit Renommee sind z. B. Sonnenuhr, Himmelreich und Schloßberg in Zeltigen. Aber auch Wehlen ist stolz auf seine Sonnenuhr-Lage. Das Graacher Himmelreich erfreut sich sogar des Wohlwollens einer Königin: Aus dieser Lage wurde der Eiswein gekeltert, von dem der Berliner Senat 1956 Elisabeth II. von England 12 Flaschen schenkte.
Badstube
Der berühmteste Wein der Mosel - vielleicht sogar Deutschlands - kommt aus der Großlage Badstube: Es ist der Bernkasteler Doctor. Die fast fünf Hektar große Einzellage, deren Einheitswert mit 150000 DM / ha veranschlagt wird, ist auch die teuerste landwirtschaftlich genutzte Fläche der Bundesrepublik. "Die Stärke des Doctor jedoch ist", heißt es in einem Leitfaden, "daß noch kein mittelmäßiger oder schwacher Wein unter diesem Namen auf den Markt gekommen ist." Der Sage nach verdankt der Wein seinen Namen dem Trierer Kurfürsten Boemund II. (1354 bis 62), den dieser "Doctor" heilte, obwohl er schon im Sterben lag.
Beerenlay & Kurfüstlay
Die Bedeutung des Weinbaus in der Kurfürstenlay wird durch eine Vielzahl von Winzerfesten zwischen Juli und August gewürdigt, die bis in die Seitentäler nach Burgen und Veldenz gefeiert werden. Die Kurfürstenlay umklammert die Kleinste der Großlagen, die Beerenlay. Sie entstand, als man drei gepriesenen Einzellagen des Dorfes Lieser, an der Mündung des gleichnamigen Eifelbaches, zusammenlegte.
Michelsberg & St. Michael
Die Schutzheiligen der Klöster, Kirchen und Stifte wurden auch um ihren Segen für die dazugehörigen Felder und Wingerte angerufen. So kamen die Heiligen aufs Flaschenetikett. Heilige Frauen erscheinen seltener in Weinbergsnamen, mit Ausnahme von Maria. Sie ist die Patronin der Reben, ihr sind im Rebland viele Bildstöcke und Kapellchen geweiht. Auf manchen Altären thront sie als Traubenmadonna. Den "Engel" in Lagen-bezeichnungen - etwa Engelgrube in Neumagen-Dhron - haben Etymologen durch ihre Ableitung vom Keltischen "aighe" (Hügel) und "il" (groß) mit Erdenschwere belastet.
Probstberg
Weinlagen mit Amtsbezeichnungen geistlicher Würdenträger sind auf dem einstigen erzbischöflichen Territorium häufig (Abtsberg, Bischofsstuhl, Kardinalsberg). Noch häufiger jedoch treten Namen auf, die auf den immensen Wohlstand der Klöster oder ihrer Orden vor der Zeit der napoleonischen Säkularisation deuten, wie Klosterlay, Jesuitengarten oder Karthäuserhofberg. 1720 besaß der Erzbischof eine Million Weinstöcke, aber allein die Klöster St. Maximin 600000 und Himmerod 555000 Weinstöcke.
Römerlay
Die Großlage um Trier, das als das "Rom des Nordens" die Urzelle des moselanischen Weinbaus war, schließt auch das Ruwertal ein, dessen Reiz schon der römische Hofpoet Ausonius besang. Lay ist mit dem Altgriechischen "laas" (Stein) verwandt, gallo-romanisch "laia"; an der Mosel bedeutet Lay in der Regel Schiefergestein.
Scharzberg
Die Großlage Scharzberg vereint die Einzellagen der Saar und bekam ihren Namen nach der Einzellage Scharzhofberg, deren Bezeichnung auf eine Rodung hinweist: Aus mittelhochdeutsch "schart" (eine gehauene Lücke) entwickelte sich unser Wort Scharte.
Königsberg
Wie alle Nebenflüsse der Mosel zieht auch die Sauer den Weinbau in ihr Tal. Königsberg erinnert an den moselländischen Uradel: Die Fran-kenkönige besaßen an Saar und Mosel neun blühende Weindomänen.
Gipfel
Auf dem Kalkboden dieser hügeligen Großlage, die ihren Namen nach dem Weinberg Nitteler Gipfel erhielt, wird in manchen Winzergemeinden bis zu 95 Prozent Elbling angebaut. Die Herkunft dieser Rebsorte ist unbekannt, es wird angenommen, daß sie mit den von den Römern eingeführten Weinstöcken verwandt sind. Der Elbling ergibt in guten Jahren einen erfrischenden, leichten Sommerwein.





