Gutedel
Verbreitung
Als Tafeltraube dürfte der Weiße und der Rote Gutedel, über die ganze Welt verbreitet sein. Als Keltertraube finden wir ihn vornehmlich in der Schweiz (bes. Westschweiz und Wallis), im Elsaß, in Deutschland im badischen Markgräflerland und in geringem Umfange auch in Österreich. Die deutsche Anbaufläche umfaßt knapp 1300 ha, von denen mehr als 1200 im badischen Markgräflerland liegen.
Herkunft
Der Gutedel gilt als die älteste unserer Kulturreben. Seine Urheimat wird im Jordantal Palästinas vermutet. Ein Anbau in Oberägypten am mittleren Nil in der Großoase El Fayum, 80 km SW von Kairo, vor etwa 5000 Jahren gilt als sicher verbürgt, da mehrere Formen dort noch heute zu finden sind.
Eine weite Verbreitung der Sorte wird auch durch die seefahrenden Phönizier (1200-130 v.Chr.) zu Griechen und Römern vermutet. Sicher weiß man, daß ein Diplomat des französischen Königs Franz 1. am Hofe des Sultans SolimanII., der Vicomte d'Auban, 1523 Gutedelreben von Konstantinopel nach Fontainebleau und die Burgund brachte. Vielleicht wurde der Gutedel nach dieser Einführung in dem Dörfchen Chasselas, süd-westlich von Macon, erstmalig angebaut.
In Deutschland ist der Gutedel 1607 für Württemberg und Franken belegt, 1726 für Sachsen und 1740 für die Gemeinde Ebringen bei Freiburg. Größere Verbreitung fand die Sorte 1870 durch Markgraf Karl Friedrich von Baden, der aus der Schweiz, von Vevey am Genfer See, Pflanzgut einführte.
Sortenname
Im deutchen Sprachgebiet wird heute die Bezeichnung Gutedel, im französischen die Bezeichnung Chasselas gebraucht. In der Westschweiz ist im Wallis die Bezeichnung Fendant gebräuchlich.
Synonyme
Deutschland: Weißer Gutedel, Gutedel, Moster (Markgräflerland), Junker (Taubertal), Süßling, Silberling, Frauentraube, Schönedel (Sachsen), Krachmost
Frankreich: Chasselas blanc, Chasselas, Chasselas de Fontainebleau, Gutedel (Elsaß), Chasselas croquant, Valais blanc
Italien: Marzemina bianca, Tribianco tedesco, Tribi vignoble
Qualität
Die Sorte Gutedel besitzt eine mittlere Qualitätsleistung. Die besonderen Kostbarkeiten der Weine liegen nicht im Bereich der Auslesen und Beerenauslesen, sondern im Bereich der Qualitätsweine ohne Prädikat bis zu den Kabinettweinen. Leichte, ansprechende Weine sind ihre besondere Spezialität.
Mostgewicht
Im langjährigen Durchschnitt werden Mostgewichte zwischen 65 und 75 Grad Oechsle erreicht und nur in sehr sonnenreichen Jahren auch etwas höhere. Da aber das geschmackliche Optimum der Weine nicht nur von hohen Zuckerwerten abhängt, sind sehr hohe Oechslegrade auch nicht erforderlich.
Säure
Der Gutedel ist eine Sorte, die keine sehr hohen Säurewerte liefert. Im langjährigen Durchschnitt schwankt die Säure zwischen 5 bis 6 ‰. Die hohe Bekömmlichkeit der Weine hängt mit dieser milden Säure zusammen.
Wein
Der Gutedel ist nicht nur eine beliebte Tafeltraube, sondern auch eine Keltertraube, die einen bekömmlichen, wohlschmeckenden Zechwein liefert, der jung getrunken am besten schmeckt. Die milde Säure und der nicht sehr hoher Alkoholgehalt machen die Gutedelweine sehr verträglich und bekömmlich. Geschmacklich sind sie leicht, süffig und spritzig, wenn sie noch etwas Kohlensäure besitzen.





